Marit Rullmann: Philosophinnen

Große Überraschung bei den Veranstaltern vom Reutlinger Jacob-Fetzer-Buchladen: Mit den rund 40 Besuchern, die zur Vorstellung des Fachbuchs „Philosophinnen“ (efef-Verlag) von
Marit Rullmann, Gudrun Gründgen und Marlies Mrotzek kamen, hatten sie im Traum nicht gerechnet.

Bevor Marit Rullmann, die Hauptautorin der 330 Seiten Porträtsammlung mehr oder minder »vergessener« Denkerinnen von der Antike bis zur Aufklärung, verschiedene Aufsätze las, berichtete sie von der Entstehung des Projekts.

Während ihres gesamten Studiums an der Uni Bochum von 1982-88 sei keine einzige Philosophin in der Lehre vorgekommen, selbst wichtige bisher erschienene deutschsprachige Standard- Nachschlagewerke unterdrückten beispielsweise die »Tatsache, dass Hildegard von Bingen die erste deutsche Philosophin war«.

Der »Ausschluss von Philosophinnen begann mit dem Monotheismus«, sagte Marit Rullmann und verwies darauf, dass im europäischen Ausland, besonders aber in den USA die entsprechende Forschung viel weiter fortgeschritten und personell wie finanziell besser ausgestattet sei.

Der vorliegende erste Band mit 38 – trotz wissenschaftlicher Querverweise und Fußnoten – gut lesbaren Aufsätzen sammelt schwer zugängliche und weit verstreute Quellen: »Wir haben auf vorhandenes Material zurückgegriffen. Bei antiken Denkerinnen war das sehr schwierig, weil Texte nur noch fragmentarisch, mehrfach überliefert und zitiert vorhanden sind«, sagte die Autorin.

Die Portraits von unter anderen Aspasia, Diotima, Anne Conway, Laura Bassi oder Dorothea Schlözer dokumentierten den Stand der Forschung und sollen, so Marit Bullmann, »weitere Anstöße zur Textkritik geben«.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 22. April 1994