Hepperle: Das Lametta halbiert

Das Reutlinger Alber-Haus war voll wie schon lange nicht mehr — und ebenfalls wie früher durften die Fans schwäbischer Mundart bei Wein und Hefezopf an Tischen sitzen. »Wenn’s hoißt, die Mundartwocha send nemmr des, no schdelld dr‘ Kenig Tisch ond Wein na und s’isch wia früher«, meinte der Organisator der Mundartwochen. Wilhelm König dachte am Mikrofon auch laut über einen eigenen Raum für Mundartliches nach: »A oigens Theahtr — dees wär’s doch!?

Im Alber-Haus ernteten Manfred Hepperle und seine Mitspieler Gabi Walser, Wolfgang Engelberger und Franz Kesenheimer lauten Beifall und noch  mehr leises Gekicher und Schmunzeln für ihre Mischung aus gespielten Sketchen und Gereimtem…

»Wohin man auch schaut/der Umsatz stagniert/s‘ wird nur noch geklaut«, reimte Hepperle — und bedankte sich knitz bei seinen Zuhörern: »Sie sind trotzdem gekommen/das Haus ist voll/Sie sparen woanders/das finde ich toll«.

Im »Treibhausgedicht« nahm sich Hepperle der Pflanzenchemie an, später stritt er sich in einem Sketch mit einem pflichtbewußten Bahnbeamten darüber, »ob denn zwoimal oifach dasselbe fischt wie oimal zwoifach ond hi ond zurück«. Nachdem solcherlei existentielle Fragen geklärt sind, ist »der Zug sowieso grad‘ naus«…

Viel Gelächter bekamen die oberschwäbischen Mundart-Kabarettisten — aus der Gegend kommen überraschend viele Witzbolde — auch für jene Szene, in der ein Mann mit Hund zur Party geht und seinem Gegenüber die allerfeinsten Speisen aufzählt. Irgendwann ist klar, daß die Leckereien nur für die Vierbeiner sind — »fir uns Besitzer geiht es Leberkäs«.

Hepperle erzählte auch von einem mißlungenen Vatertagsausflug: »Dr Hugo hot neie Läbensgefährtin drbei ghet, a Tiblohmbsichologin. Die hot a Thermosflasch Pfefferminztee mitbrocht. Also, mit Ewald kamm’r älles kaputtmacha«.

Den »Ehrentag«, an dem der Opa die verkniffene Rede seines erbsüchtigen Sohnes mit stoischer Ruhe erträgt, beklatschten viele mit Kennermiene. Witzig auch Hepperles festliche Sparvorschläge. Das mit dem »Basis-Set« aus England war wohl nichts: »Dies‘ Johr hemmr Maria und Josef kriagt, nächschts kommd’s Christkind«. Aber die Lieferbedingungen sind in fremder Sprache »ond was, bitte, send denn »se sri holli gouschts??«

Weil die britische Krippe doch zu teuer war, »hemmr’s Lametta halbiert — dr‘ Länge noch«. Das war auch keine gute Idee, meinte Hepperle, denn: »Broidere Lametta schmeißen schon mähr Licht in dia Finschternis, nicht wahr?«

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 14. März 1994