Alex Köberlein: Große Jungen, alte Freunde

»Große Jungen haben Phantasien, wenig Geld und große Lust« singt er — und er singt diese Zeilen im Tübinger »Foyer« über sich. Mit dem Geld ist’s bei Alexander Köberlein vermutlich nicht mehr ganz soschlimm wie früher — aber die Phantasie und die Lust zum Musikmachen hat er auch noch mit 42 reichlich.

Mit »Grachmusikoff« und Bruder Georg erfreut der Tübinger sein auch sieben Jahre nach dem »Schwoißfuaß«-Ende zahlreiches Publikum mit derber Rock-Comedy. Die Live-Premiere seiner neuen CD »Sonnemond« geriet dagegen zum musikalisch feinziselierten Rock-Liederabend. Viele alte und neue eingeladene Freunde kamen — und jede Menge zahlendes Publikum noch dazu: 400 sorgten für schwüle Luft.

Die neuen Songs — zum großen Teil Köherlin-typisch eher melancholisch und nachdenklich — werden auf der Bühne von der Band des Ausnahmegitarristen Werner Dannemann sparsam, aber in der Wahl der musikalischen Mittel sehr effektiv interpretiert.

Dannemann, der vor der Pause in drei Stücken seines regulären Programms alle Bluesrock-Register zieht, sticht immer wieder mit jaulenden »Wah wah«-Soli hervor. Basser Achim Bosch fällt kaum auf, so ruhig und exakt arheitet er im Hintergrund.
Unübersehbar dagegen Schlagzeuger Bodo Schopf, schon wegen seiner langen hlonden Mähne. In Tübingen spielt der Mann mit den rechten Extremitäten Schlagzeug, mit links (sieht ungeheuer lässig aus, ist es aber nicht) Perkussions-Gerät.

»Den an der Hammond-Orgel kenn‘ ich doch« — in der Tat: Andre Schnisa (»Ich komm halt vom Jazz, aber wat kann ich denn dafür…«) legt im Hintergrund auf seinem Schleiflack-Monstrum Flächen, schafft mit den Zugriegeln viel Spannung.

Daß Schnisa mit Köberlein wieder auf einer Bühne steht, freut den ganz besonders. In der »Schwoißfuaß«-Auflösungsphase gab’s Reibereien und Kräche zwischen Alex und dem damaligen Bassisten — alles, wie es scheint, vergessen und vergeben.

Heiner Reiff entert mit der Gitarre zwischendurch die geschmackvoll und für »Foyer«-Verhältnisse aufwendig mit beweglichen Computer-Spots ausgeleuchtete Bühne, ebenso der oberschwähische Mundharmonika-Spieler Albert Bücheler oder auch Thomas Maos. Der hat auf sieben der zehn CD-Titel die Saiten bedient.

Alexandra (12) und Janosch (10) Köberlein (des Schwobarockers Nachwuchs) kommen bei dem selhstironischen »Ich bin gut« mit »Neue-Deutsche-Welle «-Hintergrund-» La – las« zum Zug.

Papa, nach einer halben Konzertstunde hat er die anfängliche Nervosität abgelegt, spielt viel und »heiß« Altsaxophon und moderiert eigenwillig wie eh und je. »Ich liebe dich viel mehr als du mich — wenn i des moiner Frau saga dät, no däd se sage: Du mi au«, meint er in der Einleitung zum entsprechenden Stück.

Privat muß er ja nicht: Es reicht, wenn Köherlein weiterhin tiefsinnige Liedertexte, wie dieser einfallen. Weit weg von Schlagerplatitüden, aber wegen der deutschen Worte und den kräftigen Bildern immer näher an der Hörer-Seele dran als andere, macht er unbeirrt von Zielgruppenanalysen und Verkaufsstrategien sein unverewechselbares, persönliches
Ding. Gut so.  (mpg)