Trio Blamage: Witzige drei Herren vom Grill

Zum Abschluß von »Kulturlaub« und Jugendferienprogramm erlebten rund 100 Besucher das aktuelle Programm „Who is Who“ des Berliner »Trio Blamage«. Die 75minütige Vorstellung war eine bunte und meist sehr komische Mischung aus Musikkabarett, Artistik, verschiedenen Jonglagen und puren, tiefsinnig flach erdachten Blödeleien.

Otto Kuhnle, Rainer Vierkötter und der als »Jacques Chabraque« mimisch hinreißende Christoph Merg präsentierten sich mit dem Charme geübter Marktschreier an einem »kultur-kulinarischen Imbißstand«, ließen nach persönlicher Begrüßung der Besucher sogleich zum Schunkeln einhaken und beeindruckten durch vielfältige Fähigkeiten.

So reihten sich die Pommes im Mund des (mit blauem Schlaghosen-Anzug, brauner Krawatte und rotem Hemd geschmackvoll gekleideten) »flotten Ottos« zu einer Art Toupet. Das warf sich der verschmitzt grinsend durch die Szene schleichende Monsieur Chabraque flugs übers Baskenmützchen und sang mit dunkler Sonnenbrille: »Ja, ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian«.

Blau war »der Herr Vierkötter (50er-Jahre-Strohhut über einem unsäglich harmlos lächelndem Gesicht) selbst nach mehreren Maß Bier nicht, deren zügige Vernichtung er mit erdrückend rheinischer Beredsamkeit als besondere Programmhöhepunkt anpries. »Eijentlisch ben isch jo ’ne Musiker, avver isch han et Trinken zo ’ner Kunstfertischkeit jemacht«, meinte der Mann und kündigte »en lecker Leedsche« an. »Kein Highway ist so breit, wie ich am Samstagabend, die Donau ist nur halb so blau« — der Mann verstärkte die Glaubwürdigkeit des Texts durch entsprechend feinfühlige Behandlung der Gitarrensaiten.

Arg kann ihm der Alkohol nicht geschadet haben: Später wirbelte er mit seinen Kollegen in einer ungewöhnlichen Jonglagen-Nummer Eimer und (nasse) Putzlappen durch die Luft.

Chabraque tanzte im Hühnchen-Kostüm Rock ’n‘ Roll, sang auf dem heißen Grill liegend »Come an baby, light my fire« und ließ unter dem geöffneten Mantel grinsend einen Würstchen-Rock sehen. Da verging selbst dem »flotten Otto« das unverschämt-blöde Grinsen — er sang den Blues, wie ihn verhunzter kaum ein Ohr je gehört hat.

Kuhnle holte Sabine aus dem Publikum und hypnotisierte sie, bis sie eine »schwebende Jungfrau« war. Er präsentierte eine Modenschau und führte eine Würstchenschleuder vor: Mit einem langen Gummiband schoß er die Dinger gezielt aus der Dachluke des Imbißwagens. Ein besonders vergammelt und schlaff aussehendes Exemplar der Gattung »heiße Rote« traf Jugendpfleger Wolfgang Rätz…

Am Ende klatschten alle begeistert nach Zugaben. Unter anderem präsentierte Kuhnle im Kopfstand den »Königsjodler« und erklärte: »Das ist ein melancholisches Lied, weil mir da immer schlecht wird, ich das vorher weiß und deswegen furchtbar traurig bin«.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 17. August 1992