BCM Records: Kunst und Kommerz

Erst knapp drei Jahre alt ist das deutsche Label »BCM«, und doch gibt es schon mehr als 700 Scheiben von der kleinen Firma mit Sitz in Kaarst. Als »Missionare des guten Dance-Geschmacks« hezeichnet PR-Chef Volker Heisters sich und die anderen beiden Mitgründer des jungen Labels. Der Geschäftsführer und Namensgeber des Labels, Brian Carter (»Brian Carter Music«), weiß aber, dass eine Plattenfirma allein mit gutem Geschmack im Pop-Business nur schlecht überleben kann: »Was die Leute haben wollen, das kriegen sie auch von uns. Natürlich hätte ich auch lieber >De la Soul< oder >Digital Underground< in den Charts als etwas wie >Jive Bunny and the Mastermixers<, was ja musikalisch gesehen eher fragwürdig ist«.

Das Stampf-Machwerk, das ähnlich wie vor ein paar Jahren »Stars on 45« bereits Bekanntes im Potpourri-Verfahren zusammenbringt, ist musikalisch ein Tiefpunkt im »BCM«-Katalog.

Wirtschaftlich betrachtet aher ganz und gar nicht: Seit »Jive Bunny« die obersten Hitparaden-Plätze eroberte, ist nicht nur das Interesse der großen Plattenfirmen an »BCM« gestiegen, sondern auch die finanziellen Reserven. Und mit denen finanziert »BCM« dann Sachen wie den »Ragamuffin Hip Hop« der Londoner DJ‘ s Asher D. und Daddy Freddy oder »De la Soul«. Das Gänseblümchen-RapTrio mit ihrem HipHop-Puzzle »Three feet high and rising« sorgte in der Szene dermassen für Aufregung, daß Chronisten die neuere Geschichte schwarzer Tanzmusik heute in die Vor- und Nach-»De la Soul«-Zeit aufteilen.

Einen Vorwurf, der gerne und oft an das »BCM« — Trio gerichtet wird, kann
Volker Heisters entkräften: »Es heißt oft, wir würden eine Überschwemmungs-Taktik fahren und hätten für nichts mehr Zeit. Ah und zu schaffen wir den ganzen Arbeitswust nicht, weil wir nur zu dritt sind. Aber sollen wir, wenn uns eine Platte gefällt, sagen: Nein, tut uns leid, wir haben gerade so viel zu tun, ein anderes Mal ?«

Immerhin hatten die drei Label-Macher die Zeit, das hislang erste, größte und enorm vielseitige Festival schwarzer Tanzmusik in Deutschland auf die Bühne zu bringen: Auch wenn beim »Summer Dance Festival« letztes Jahr noch nicht alles so klappte, wie das Publikum es gewohnt ist, war die dreitägige Bestandsaufnahme im Berliner »Tempodrom« ein Erfolg: Sage und schreibe 36 Gruppen und Solokünstler wurden aus den USA eigens für dieses Festival eingeflogen.

»Solange wir unsere Nase für neue Trends behalten«, sagt Brian Carter, »kann uns nichts passieren. Wir sind der Konkurrenz im HipHop- und RapBereich meilenweit voraus. In Zukunft wollen wir verstärkt auf Qualität als auf Quantität setzen«. Der erste Schritt in diese Richtung ist bereits getan: Der »letzte Soulmann« Bobby Womack veröffentlicht seine seelenvollen Ergüsse neuerdings auf »BCM«-Records. (mpg)