Sulla Bratke: Glanzlose Gala

Glanzlose Sulla-Gala: Am Mittwoch trat die Szene-Institution Sulla Bratke zum letzten Mal mit »Grachmusikoff « in der »zelle« auf. Bei den normalen Auftritten der »Blues Blos’n’Fun«-Band ist er — weil seine durch Kinderlähmung beeinträchtigte Kondition nicht mehr mitmacht — schon seit über zwei Monaten nicht mehr dabei; Sulla will jetzt vermehrt seine komödiantische Ader zum Geldverdienen einsetzen.

Kostproben aus dem — kabarettistisch angehauchten — Programm, in dem es um das Schwein als »Partner des Menschen« geht, gab es eine Viertelstunde lang zwischen den Grachmusikoff-Songs. Die Qualität aber ließ zu wünschen ührig, man muß Sulla auch zugute halten, daß er mit seiner Show Neuland betritt; auch wollte die Einlage nicht so recht zur Stimmung passen: Fest steht, daß der Ex-Schwoissfuaß-Komödiant (man erinnere sich an die Luftballon-Nummer) noch gewaltig arbeiten muß, um wirklich größer rauszukommen.

Das    »Grachmusikoff « -Kapitel scheint für ihn endgültig ahgeschlossen zu sein — wußten Alex Köberlein und Co. doch bis kurz vor Konzertbeginn nicht, ob Bratke überhaupt zu seiner Benifizveranstaltung kommen würde.

Dies und andere Unstimmigkeiten ließen die Stimmung der Truppe deutlich sinken, die Musiker spielten sich lediglich routiniert durchs »Langsam Fett«-Programm. Die körperlichen Nachteile einer Hülsenfrucht wurden in der neuen Single »Bohnentag« ausführlich dokumentiert; alte »Schwoißfuaß«-Töne gab’s auch zu hören. Das Publikum reagierte — für Grachmusikoff-Verhältnisse — ziemlich verhalten; hängt doch das »Erlebnis« Grachmusikoff zu einem großen Teil vom Spiel- und Darstellungswitz der Musiker ab. Eine Gala war das Konzert nicht — eher ein trauriger Abgesang auf eine Szene-Legende. Schade. (mpg)