Trochtelfinger Festival am See ’85: Jazzrockgewitter

Eine neuerliche Auflage des gerade zu Ende gegangenen Festivals am Lauchert-See ist für den Trochtelfinger Verein für Kulturarbeit keine Frage. Nur ein deftiges Minus beim dreitägigen Musikmarathon hätte den Verein daran hindern können, sich Gedanken über ein 7. Trochtelfinger Festival am See zu machen. Etwa 4 000 Besucher waren für die Deckung der Unkosten nötig, rund 5 000 zählten die Organisatoren schließlich an den drei Festivaltagen. Am Sonntagabend lockte nochmals ein Doppelkonzert 1 200 Besucher in das große Zelt. Rolf Schwörer endeckte bei seinem Mitstreitern am Montag gerazu ein Glücksgefühl darüber, daß alles so gut gelaufen ist.

Die Augen von so manchem harten Festivalfan hatten schon schwarze Ränder, als die »Fisherman’s Walkband« die Bühne besetzte. Dennoch hatten die Stuttgarter keine Probleme mit dem Publikum. Bereits nach zwei Stücken waren die Leute »auf Hundert« und tanzten ausgelassen. Kein Wunder, die Fishermänner machten Musik, die sich südlich und östlich angehauchten Melodien auf der Grundlage meist lateinamerikanischer Perkussion zusammensetzte.

Die Gruppe verarbeitet mit Vorliebe neue und traditionelle Musikformen, lässt Einflüsse aus Indien und der Türkei zu, und beherrscht auch die Stilformen des britischen Rocks. Sie  bot ein kompaktes Können, jeder einzelne Musiker beherrschte sein Instrument, diente dem Zusammenspiel ohne große Solo-Allüren. Allenfalls Peter Schick an der Gitarre und Keyboarder Willi Keller waren noch besser als ihre schon sehr guten Mitmusiker. Das Publikum nahm die Spielfreude dankbar auf und forderte die Stuttgarter mehrfach zurück auf die Bühne.

Jan Akkerman, neben Alvin Lee der Star des Festivals, kam mit kleiner Besetzung nach Trochtelfingen. Nur von Bass und Schlagzeug begleitet, ließ er ein zweistündiges, stellenweise ohrenhetäubendes Jazzrockgewitter am See aufziehen. Von Funk über den Blues bis zu manchmal avantgardistischen Klängen beherrschte die Band die Palette musikalischer -Ausdrucksmöglichkeiten und Stile beinahe mühelos. Besonders der Bassist begeisterte durch rasend schnelle Funk-Läufe und durch seinen Kontakt zum Publikum.

Jan Akkerman demonstrierte eindrucksvoll den heutigen Stand der Musikelektronik: Er spielte ausschließlich auf einem Gitarrensynthesizer, der es ihm ermöglichte, Gitarrenklänge mit Synthesizerakkorden zu verschmelzen. Allerdings gab’s bei soviel Technik prompt Probleme: Bei der ersten der insgesamt fünf Zugaben versagte das schmucke Gerät völlig, nachdem es zuvor schon laut gebrummt hatte. Diese wideispenstige Technik zusammen mit der nicht sehr differenzierten Abmischung schmälerten das ansonsten ausgezeichnete Akkerman-Konzert etwas.

Für den Verein in Trochtelfingen ist das Festival indes noch nicht vorbei. So, wie sie schon Wochen vor dem Fest für die späteren Besucher unsichtbar werkelten, müssen sie auch nach dem Abzug der Musikfans noch Hand anlegen. Am Montag wurde das Festivalgelände aufgeräumt. Zwar haben sie alle erst einmal die Nase voll, aber Rolf Schwörer ist sich sicher, daß sich das schnell wieder legt: »Es ist dieses Jahr so gut gelaufen, daß über ein 7. Auflage des Festivals kaum Zweifel besteht.« Die Gruppen waren mit Organisation und Stimmung hochzufrieden, Zwischenfälle gab es kaum welche, und mit dem selbstgebasteltem Feuerwerk nach dem Akkerman-Konzert fand das Festival einen funkensprühenden Abschluß. (mpg)